Gedenkveranstaltung nach Anschlag in Hanau

Etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen an der Gedenkveranstaltung am 22.2.20 auf dem Aliceplatz teil. Spontan eingeladen hatte nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau der Ausländerbeirat Bad Nauheim gemeinsam mit dem Internationalen Club.

„Macht etwas!“

Unter den 300 Teilnehmern des Stillen Gedenkens an die Terroropfer von Hanau war auch eine junge Augenzeugin

Bad Nauheim. „Macht etwas!“ – Dieser aus tiefster Verzweiflung geborene Aufschrei einer jungen Augenzeugin des rassistisch motivierten Anschlags von Mittwochabend in Hanau setzte einen sehr emotionalen Schlusspunkt unter das Stille Gedenken, zu dem der Ausländerbeirat Bad Nauheim gemeinsam mit dem Internationalen Club der Badestadt am Samstag Mittag auf den Aliceplatz eingeladen hatte. Gefolgt waren dem Aufruf Menschen vieler Nationalitäten, unterschiedlicher Religionen und jeden Alters – eine repräsentative Vertretung der vielschichtigen, bunten Bevölkerung der Stadt und vor allem ein signifikanter Schulterschluss gegen jeden Versuch der Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit.

300 Menschen – und damit weit mehr als von den Initiatoren erwartet – hatten sich versammelt, als Ausländerbeiratsvorsitzender Sinan Sert kurz nach 12 Uhr den Reigen der Redner eröffnete. Seine Ansprache ebenso wie die darauffolgenden kurzen Reden von Dr. Bernt Kampmann (Vorsitzender des Internationalen Clubs), Manfred de Vries (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim), Bürgermeister Klaus Kreß, Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Hahn und der evangelischen Pfarrerin Meike Naumann (sie sprach auch im Namen der ebenfalls anwesenden katholischen Gemeindereferentin Stephanie Veith) spiegelten in unterschiedlichen Formulierungen Entsetzen und Fassungslosigkeit wider, dokumentierten aber zugleich die unbedingte Entschlossenheit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Manfred de Vries verwies unter anderem auf den Anschlag auf die Synagoge von Halle am Jom Kippur (9. Oktober) 2019, der an einer stabilen Holztür scheiterte, aber zwei Passanten das Leben kostete. Er wünsche sich, so de Vries mit Blick auf die große Zahl der Anwesenden, eine entsprechende Anteilnahme auch im Falle jüdischer Anschlagsopfer. Gerhard Hahn zitierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Satz „Hass ist Gift!“ und nannte den Kampf gegen Fanatismus, Extremismus, Rassismus und Radikalismus „die vorrangigste Herausforderung unserer Zeit“. 

Bürgermeister Klaus Kreß ging einen Schritt weiter und forderte alle Anwesenden auf, sich in ihrem Umfeld denen zuzuwenden, die – offenbar von diffusen (Verlust-)Ängsten geleitet – das Konzept der freiheitlichen Demokratie aus den Augen verloren hätten und zu Unterstützern von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten geworden seien: „Wenden wir uns diesen Menschen zu und versuchen wir, ohne Überheblichkeit ihnen dieses Konzept wieder nahezubringen. Werben wir offen für unsere tolerante Gesellschaft, für den Frieden in Wohlstand, den sie uns seit 75 Jahren garantiert!“

Bevor die Anwesenden einige Minuten lang schweigend der Toten von Hanau gedachten, hatte Pfarrerin Meike Naumann noch auf die Öffnung der Bad Nauheimer Dankeskirche für alle Trauernden und Anteilnehmenden hingewiesen; dort sei auch ein Kondolenzbuch ausgelegt.

(Pressemitteilung Hedwig Rohde)

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